Verbraucherrechtlicher Handlungsbedarf bei Nutzerbewertungen

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In diesem Aufsatz aus der Schriftenreihe „Wettbewerb und Verbraucherschutz in der digitalen Wirtschaft“ beschreibt das Bundeskartellamt Kernpunkte aus der Sektoruntersuchung Nutzerbewertungen.

Der Beitrag beschreibt mehrere Probleme:

  1. Incentivierte Bewertungen: Anreize zur Bewertungsabgabe können zu mehr, aber möglicherweise verzerrten Bewertungen führen. Eine transparente Kennzeichnung solcher Anreize ist notwendig, um Verbraucher nicht irrezuführen.
  2. Produkttest-Bewertungen: Bewertungen, die aufgrund von Produkttests entstehen, sollten als solche gekennzeichnet werden, um Transparenz zu gewährleisten und Verbraucher nicht irrezuführen.
  3. Manipulierte Bewertungen: Bewertungen, deren Inhalt vom Anbieter beeinflusst wird, sind schädlich und stellen einen Verbraucherrechtsverstoß dar. Effektive Rechtsdurchsetzung gegen solche Praktiken ist erforderlich.
  4. Nicht-authentische Bewertungen: Bewertungen ohne tatsächliche Nutzungserfahrung des Verfassers sind irreführend und schädlich. Portale sollten stärker in die Pflicht genommen werden, solche Bewertungen zu identifizieren und zu entfernen.
  5. Asymmetrisch selektierte Bewertungen: Systembedingte Verzerrungen, die dazu führen, dass mehr positive als negative Bewertungen dargestellt werden, müssen beseitigt oder zumindest transparent gemacht werden.

Das Bundeskartellamt betont die Bedeutung von Nutzerbewertungen als Informations- und Wettbewerbsinstrument und fordert alle Beteiligten auf, zur Verbesserung des Verbraucherschutzes in diesem Bereich beizutragen.

 

In der öffentlichen Diskussion wird das Problem von sog. Fake-Bewertungen oft mit Bewertungen, die von Computerprogrammen („Bots“) oder von Dienstleistern erstellt wurden, gleichgesetzt. Die Sektoruntersuchung des Bundeskartellamts hat aufgezeigt, dass diese Pauschalisierung dem tatsächlichen Spannungsfeld der Interessenlagen und den unterschiedlichen Geschäftsmodellen der Portale nicht gerecht wird. Beispielsweise können seriöse Bewertungsvermittler durchaus einen Beitrag für die Erstellung von Bewertungen leisten. Es muss vielmehr darum gehen, für den Verbraucher Transparenz zu schaffen, wie Bewertungen zustande gekommen sind.

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