Kniffe der Vergangenheit

Diese 5 Tricks, um Fake-Bewertungen zu erkennen, sind leider überholt

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6. Oktober 2023

Es gibt zahlreiche Tipps und Tricks für VerbraucherInnen, um Fake-Bewertungen zu erkennen. Die Bewertungsexpertin Nina Hammer erklärt, welche Tipps als überholt gelten und warum sie nicht mehr oder nur bedingt funktionieren. Nina Hammer ist Teil einer Taskforce bei HolidayCheck, die sich mit dem Thema Bewertungsbetrug auseinandersetzt.

Nina Hammer ist Head of Public Relations bei der HolidayCheck AG, einer Plattform für Pauschalreisen, Hotelbuchungen und Bewertungen. Sie ist verantwortlich für die Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens.

1. Auf sprachliche und zeitliche Muster achten:

Wenn zu einem Produkt an einem Tag Dutzende Fünf-Sterne-Bewertungen veröffentlicht werden oder wenn auf eine schlechte Bewertung mehrere positive Bewertungen in kurzer Zeit folgen, handelt es sich höchstwahrscheinlich um Fake. Viele ähnlich geschriebene Rezensionen können ein Hinweis darauf sein, dass es sich um Auftragsbewertungen handelt.

Was sagt die Expertin: Kann, muss aber nicht sein. Gerade wenn ein Produkt neu auf den Markt gekommen ist und beispielsweise durch eine Social Media Promotion in wenigen Stunden zahlreiche Artikel verkauft wurden, gehen auch an einem Tag viele Rezensionen ein. Genauso können sich mögliche Lobeshymnen in den Bewertungen tatsächlich ähneln, wenn Produkte beispielsweise ein Feature haben, das von vielen als sehr gut bewertet wird.

2. Auf Werbesprache prüfen

Übertrieben positive oder nach Werbung klingende und mit Superlativen gespickte Bewertungen deuten auf Fake hin.

Was sagt die Expertin: Es ist nicht unüblich, dass VerbraucherInnen begeistert von einem Produkt oder einer Dienstleistung sind und sich dann auch die Zeit nehmen, eine hervorragende Bewertung zu schreiben. HolidayCheck widerlegt zum Beispiel deutlich das Vorurteil, dass die Deutschen primär negative Bewertungen schreiben, um ihrer Wut Luft zu machen. Im Gegenteil: Die meisten Bewertungen sind positiv und die Intention ist in der Regel anderen UrlauberInnen zu helfen.

3. Auf Grammatik und Rechtschreibung achten

Meinungen, die schlechte Grammatik oder Übersetzungsfehler vorweisen, können gefälscht sein.

Was sagt die Expertin: Dies ist kein verlässlicher Hinweis mehr. Mithilfe Künstlicher Intelligenz können FälscherInnen innerhalb von Sekunden Bewertungstexte verfassen und in zahlreiche Versionen abändern. Zudem arbeitet KI bei Bedarf sogar mit Jugendsprache, Dialekt oder Umgangssprache – grammatikalisch und orthografisch korrekt.

4. Zu lange Rezensionen

Lange Rezensionen sind verdächtig und können ein Hinweis dafür sein, dass der Händler nachgeholfen hat. Niemand nimmt sich so lange Zeit, um ein Produkt oder eine Dienstleistung zu bewerten.

Was sagt die Expertin: Das ist tatsächlich kein verlässlicher Tipp. Es gibt Bereiche wie die Kreuzfahrt, Kosmetikartikel oder Kinderartikel, bei denen VerbraucherInnen dazu neigen, sehr ausführliche Erfahrungsberichte zu schreiben.

5. Ausschließlich positive Rezensionen

Wenn ein Produkt ausschließlich positiv bewertet wurde und eine hohe Anzahl an durchgängig positiven Rezensionen vorliegt, kann dies auf Fake-Bewertungen hinweisen.

Was sagt die Expertin? Ein genauerer Blick lohnt sich auf alle Fälle, aber es kann auch sein, dass das Produkt tatsächlich sehr gut ist.

Wie man sieht, ist es schwierig, gängige Fake-Erkennungs-Tipps zu geben. Nina Hammer erklärt:

„Wenn Fake-Bewertungen von Menschen geschrieben werden, dann ist es für VerbraucherInnen nicht möglich, diese zu erkennen. Spezialisierte Unternehmen hingegen, die über die entsprechenden technischen und menschlichen Ressourcen verfügen, sollten in der Lage sein, einen Großteil der Fake-Bewertungen vor der Veröffentlichung herauszufiltern.“

Dafür muss allerdings ein hoher Aufwand betrieben werden, den sich viele Unternehmen nicht leisten können. Spezialisierte Teams sind notwendig, um täglich Tausende Bewertungen zu prüfen – durch semantische Tests, mit Computerlinguistik, Machine Learning, Algorithmen, der Untersuchung von Mengenverhältnissen und zahlreichen weiteren Techniken. „Der sicherste Tipp für VerbraucherInnen ist es also, sich nur auf Plattformen zu informieren, die transparent und überzeugend aufklären, wie sie Bewertungen prüfen.“

Nina Hammer stuft diese drei Tipps weiterhin als hilfreich ein, um Fake-Bewertungen zu erkennen:

1. Nicht jeder Plattform vertrauen: Bewertungen auf Authentizität zu prüfen ist ein hoher Aufwand und muss in der Unternehmens-DNA verankert sein. Unternehmen sind nicht dazu verpflichtet Bewertungen zu prüfen, tun sie dieses aber, müssen sie auch aufklären, wie das vonstattengeht. Der erste Schritt sollte also sein, sich nur auf Plattformen zu informieren, die transparent über die Prüfprozesse informieren.

2. Anzahl der Rezensionen beachten: Immer noch das beste Gefühl dürfen VerbraucherInnen haben, wenn sie ein Produkt mit Tausenden von Rezensionen, die über mehrere Jahre erstellt wurden, kaufen. Denn Fake-Bewertungen sind in der Masse teuer. Und den Schnitt eines Produkts mit bereits sehr vielen Bewertungen zu verändern, kostet in der Regel eine beträchtliche Summe.

3. Bewertungen mit Bildern: Ein guter Hinweis auf eine echte Bewertung sind Produktfotos oder bei Reisen Hotelfotos. Gerade wenn diese augenscheinlich keine Profilbilder sind. Aktuell machen sich FälscherInnen in der Regel noch nicht die Mühe, Fake-Bewertungen im großen Stil zu bebildern.